Stifterportraits

Helga & Bodo Kolmitz, ein Seelscheider Unternehmerehepaar

Helga und Bodo Kolmitz
Haus Frieda Schönenberg/Jork, nachfolgend Kolmitz, an der Zeithstraße als Wohnhaus 1949 und als Wohn- und Geschäftshaus 1955 (Rewe Laden).

Die Witwe Frieda Schönenberg geb. Lemmer, Mutter von Helga Kolmitz, eröffnete im Jahre 1950 im Wohnzimmer ihres Hauses an der Zeithstraße auf dem Gelände des heutigen EDEKA Marktes Kötter ein Einzelhandelsgeschäft für Brot- und Backwaren. Es gehörte schon Mut dazu, bestanden doch damals bereits dreizehn Lebensmittelgeschäfte in der kleinen Gemeinde Seelscheid. Das Geschäft lief aber gut an und Mutter Frieda war bald für die meisten et Frieda oder et Tant Frieda und ab 1952 et Jork`s Frieda, nachdem sie wieder geheiratet hatte. Helga erledigte von Anfang an alle Büroarbeiten für ihre Mutter.

Helga Schönenberg wurde im April 1930 in Oberdorst geboren und lernte Bodo Kolmitz kennen und lieben, der im Juni 1928 in Westfalen geboren wurde und seit 1934 mit seinen Eltern und seinen Schwestern in Stein wohnte. Im April 1951 heiraten Helga und Bodo. Anfang der 60er Jahre nahm Frieda ihre Tochter in ihr kleines Unternehmen mit auf und beide führten es bis zum Tode von Frieda im Jahre 1972 gemeinsam, welches schon einige Jahre nach der Gründung der REWE Einkaufsorganisation angeschlossen worden war. In den Jahren 1960 bis 1980 fanden in Abständen Um- und Erweiterungsbauten statt. Ende der 60er Jahre gab Bodo seine Handelsvertretung für Backhilfsmittel auf – seinen erlernten Bäckerberuf hatte er schon vor Jahren krankheitshalber beenden müssen – und widmete seine Kraft und Zeit nun ganz ihrem REWE Geschäft. In 1981 wurde die Verkaufsfläche durch große Um- und Erweiterungsbauten von 200 qm auf 800 qm vergrößert. 1983 kam der ALDI Markt in unmittelbare Nachbarschaft und Helga und Bodo waren unsicher, weil sie nicht wussten, wie sich jetzt alles entwickelt. Sie hatten viel investiert, waren einer der größten Arbeitgeber in Seelscheid, standen konsequent zu ihren Entscheidungen und überlegten sich notwendige Anpassungen. Sie arbeiteten sehr viel. Helga war die Eigentümerin und Strategin. Sie rechnete, kalkulierte und kontrollierte. Bodo war der geborene Verkäufer. Er kannte jeden Kunden, begrüßte alle mit freundlichen Worten, kannte alle Waren und konnte Kaufempfehlungen aussprechen. Mit ihrer Art erreichten beide, dass aus ihrem REWE Geschäft Kolmitz nicht nur ein überregionales Lebensmitteleinkaufszentrum sondern zugleich auch ein Kommunikationszentrum wurde. Man traf sich im REWE Laden Kolmitz.

Für die Mitarbeiter ihres Geschäftes waren sie fürsorgliche Arbeitgeber. Sie verstanden es, alle zu motivieren. Weihnachts-, Sommer- und Karnevalsfeste, Geburtstagsfeiern und Ausflüge waren immer wiederkehrende Veranstaltungen. Die Mitarbeiterfluktuation war gering.

Das Warenangebot wurde immer größer, die Umsätze stiegen und beide wurden älter. So war es eine normale betriebliche Entscheidung, zum 1.1.1989 das Einzelunternehmen auf die REWE – Markt Kolmitz GmbH zu übertragen, die ihr Sohn Jürgen für diesen Zweck gegründet hatte. Zu dieser Zeit hatte das Unternehmen bereits ca. 30 Mitarbeiter. Jürgen hatte bei verschiedenen Unternehmen Berufserfahrung sammeln können. Nach gut zwei Jahren kam Jürgen bei einem Verkehrsunfall im Mai 1991 zu Tode. Für Helga und Bodo war das ein furchtbarer Schicksalsschlag. Ihr ältester Sohn Wolfgang war bereits im August 1972 bei einem Verkehrsunfall tödlich verunglückt. Helga war nun schon 61 Jahre und Bodo 63 Jahre alt. Sie entschlossen sich, ihr Unternehmen in fremde, jüngere Hände zu geben. Am 1.7.1992 übernahm Heiner Kötter die REWE Markt-Kolmitz GmbH. Er erzählt, wie er von Helga und Bodo aufgenommen und eingewiesen worden ist. Für ihn waren beide wie Papa und Mama. Sie förderten ihn und hielten doch den nötigen Abstand, damit er sich frei entwickeln konnte. Beide Seiten waren in Herzlichkeit einander zugetan. Einige Zeit später übernahm Ulrike Kötter die betriebliche Immobilie. Auch unter der Eigentümerfamilie Kötter blieben Helga und Bodo noch in entscheidenden Funktionen im Ladengeschäft mit tätig, bis sich beide im Jahre 2000 ganz zurückzogen. Unvergessen bleibt Bodo als “ Koch“, wenn er für die Mittagspause das Mittagessen zubereitete. Auch im Ruhestand kam er noch ab und zu und brachte leckeren Rinderbraten mit Knödel nach eigenem Rezept.

Solange Bodo es gesundheitlich konnte, besuchte er täglich das Geschäft und unterhielt sich gerne mit seinen ehemaligen Kunden und Mitarbeitern, manchmal trank er einen Kaffee mit ihnen.

Das Lebensmittelgeschäft, geführt von Heiner Kötter und seiner Frau Ulrike, besteht immer noch. 2000 wurde der Markt wiederum modernisiert, umgebaut und die Verkaufsfläche mit einem vollkommen neuen Baukonzept auf 1.700 qm erweitert. Bis zum 1.7.2015 blieb der Firmenname REWE Markt Kolmitz GmbH bestehen und wurde erst ab diesem Zeitpunkt in Kötter Handelsgesellschaft GmbH geändert. Die meisten gehen aber auch heute noch zum "Kolmitz" einkaufen. Neue Käuferschichten kommen und wachsen heran und irgendwann ist es "den Kötter 's ihre Laden".

Alle kannten Helga und Bodo als reelle Kaufleute. Mit ihrer liebenswürdigen Art, ihrer Fähigkeit Menschen zu führen, ihrem nimmermüden Arbeitseinsatz und ihrer positiven Vorausschau entwickelte sich ihr Unternehmen stetig weiter und florierte. Privat waren sie schwer getroffen durch den Tod ihrer beiden Söhne. Sie blieben aber liebenswürdige und zuhörende Menschen mit einer immer freundlichen Ausstrahlung. In unserer Gemeinde und weit darüber hinaus gibt es viele Kirchengemeinden, gemeinnützige Vereine und Organisationen, die oft die Großzügigkeit von Helga und Bodo kennen lernten. So ist auch die Bürgerstiftung Seelscheid überaus dankbar für die großzügige Unterstützung, die wir durch Helga und Bodo erfahren haben.

Bodo Kolmitz ist am 25.3.2016 verstorben.

Wir finden es großartig, dass die Beiden 2011 die “Helga und Bodo Kolmitz-Stiftung“ gegründet haben. Die Stiftungszwecke sind ähnlich wie die unseren. Sie sind ausgerichtet auf die Förderung gemeinnütziger Aktivitäten vor Ort. Stiftungsaufsicht hat wie bei uns die Bezirksregierung Köln.

 

 

Hans Hoffmann

Seniorchef der HOMA-Unternehmensgruppe, verstarb am 14. Januar 2012.

Im Kriegsjahr 1944 heiratete der am 20. April 1922 in Wolsdorf geborene Hans Hoffmann Wally Böck aus Kotthausen. Zunächst zog das junge Paar bei Böcks in Kotthausen ein, dann in eine bescheidene Mietwohnung in Komp – mit Ausblick vom Küchenfenster auf den Misthaufen hinter dem Haus. In den Jahren 1946 bis 1951 wurden die Söhne Hans, Manfred und Klaus sowie das Zwillingspärchen Edda und Kurt geboren. Die Lehrlings- und Gesellenjahre hatte Hans Hoffmann in Siegburg bei der Firma Profitlich absolviert.

Bereits1946 wählte er, nach bestandener Meisterprüfung als Elektromaschinenbauer, den Weg in die Selbständigkeit. In einem kleinen ehemaligen Stallgebäude in Kotthausen eröffnete er eine Reparaturwerkstatt für Elektromotoren. Im Jahre 1948 dann errichtete Hans Hoffmann in Weesbach ein Wohnhaus, in dessen Erdgeschoß geräumige Büros und Werkstatträume bezogen werden konnten.

In den ersten Jahren, als die Zahl der Mitarbeiter noch überschaubar war, wurde die Belegschaft mittags von Wally Hoffmann bekocht und man aß gemeinsam in der großen Wohnküche. Neben dem Haushalt mußte sich Wally noch um einen großen Garten und zwei Milchkühe kümmern. Mit dem Fahrrad brachte sie morgens nach dem Melken die Milchkannen zum Kannenbock an die Zeithstraße. Es gelang Hans Hoffmann, die großen und bekannten Unternehmen „Walterscheid“ aus Siegburg (später: Lohmar) sowie die „Bergische Achsenfabrik“ aus Wiehl als Kunden zu gewinnen, die teilweise riesige Elektromoren zur Reparatur nach Weesbach brachten.

Nebenher entwickelte und produzierte er Elektro-Normmotoren und Schleifböcke, die in der Region Abnehmer fanden. Seit Ende der fünfziger Jahre spezialisierte er sich auf die Entwicklung und Herstellung von Tauchmotorpumpen. Der häusliche Garten musste einer Produktionshalle weichen, in der Drehbänke und Bohrmaschinen Pumpenteile bearbeiteten, die Elektromotoren gewickelt und schließlich die Pumpen montiert wurden. Aus der Kombination seines Familiennamens HOffmann mit dem Begriff MAschinenbau wurde der neue Firmenname „HOMA Pumpenfabrik“. Neben die Produktion kleiner Tauchmotorpumpen zur Kellerentwässerung trat bald die Herstellung leistungsstärkerer Schmutzwasserpumpen sowie Bau- und Güllepumpen für die Landwirtschaft. Ostern 1961 traf die Familie ein schwerer Schicksalsschlag: Kurt, der jüngste Sohn, war mit dem Fahrrad auf dem Weg zu seiner Oma in Kotthausen und wurde auf der Zeithstraße von einem Auto angefahren. Er erlag noch am gleichen Tag im Siegburger Krankenhaus seinen Verletzungen. Im Jahr darauf wurde Hans Hoffmanns Sohn Ralf und 1965, als Nesthäkchen, Sohn Frank geboren.

Zu Beginn der sechziger Jahre intensivierte HOMA vor allem die Vertriebsbemühungen auf internationaler Ebene. Damalige Vertriebspartner im Export sind teils noch heute treue Kunden. Auch begann man mit der Entwicklung neuer Produkt-Baureihen, speziell für die Förderung von Abwasser im kommunalen und industriellen Bereich. Im Jahre 1972 folgte der Umzug von Weesbach, wo es keine Erweiterungsmöglichkeit mehr gab, in das neue Industriegebiet in Oberheister. Im gleichen Jahr gründete Hans Hoffmann in Mallow (bei Cork, Irland) die Firmen „HOMA Exports Ltd.“ und „Irish Blackwater Castings Ltd.“, die als Aluminium-Gießerei Teile für die Produktion in Oberheister herstellen.
In den Niederlanden wurde, für den dortigen Vertrieb und Service, die „HOMA Pompen B.V.“ ins Leben gerufen, zu der später, für das französische Geschäft, die „HOMA France s.a.r.l.“ in Paris trat. Auch die Produktionsanlagen und Verwaltungsgebäude in Oberheister wurden schnell zu klein. Bereits 1978 wurde hier eine zweite Produktionshalle gebaut; ihr folgten eine neue Lagerhalle, ein neues Verwaltungsgebäude und ein Hochregallager. Als letzter Erweiterungsbau wurde 2012 ein Service- und Kundenschulungszentrum fertiggestellt. In diesem Gebäude ist auch ein neuer Prüfstand untergebracht, in dem Propellerpumpen und Rührwerke für die Klärtechnik sowie Abwasserpumpen mit einer Nennweite bis 1.000 mm entwickelt und getestet werden können.
Nach dem Tod seiner Frau Wally (1984) entschloß sich Hans Hoffmann zum Rückzug aus dem operativen Geschäft der „HOMA Pumpenfabrik GmbH“, die er zu einer inzwischen weltweit anerkannten Größe im Bereich der Gebäude-, Abwasser- und Klärtechnik aufgebaut hatte. Nach der deutschen Wiedervereinigung (1989/90) engagierten sich Hoffmann und die „HOMA GmbH“ auch in den neuen Bundesländern, als sie von der „Treuhandanstalt“ die Firmen „Elektroinstallation Wittenberg“ und „Leuchtenbau Wittenberg“ kauften und in die Unternehmensgruppe integrierten. Ein besonderes Verhältnis hatte Hans Hoffmann stets zur Natur. So war der Erwerb zweier großer, forstwirtschaftlicher Betriebe in Ostdeutschland sein ganzer Stolz. In den Forstbetrieben Zehrensdorf und Merzdorf (mit über 1.000 ha Fläche) wurden Monokulturen in Mischwälder umgewandelt, indem tausende Buchen und Roteichen gepflanzt wurden.

Hans Hoffmanns Lebenswerk steht beispielhaft für ein wirtschaftlich erfolgreiches und gleichzeitig soziales wie verantwortungsbewusstes Unternehmertum. Für die Probleme und Fragen seiner Mitarbeiter hatte er stets ein offenes Ohr. Am 01.01.2012 waren im Seelscheider Betrieb im Industriegebiet Oberheister 234 Mitarbeiter beschäftigt.
Hans Hoffmann verstarb plötzlich und unerwartet am 14. Januar 2012.

Hermann-Josef Weiler

Hermann-Josef Weiler wurde 1957 in Seelscheid geboren. Die ersten Lebensjahre verbrachte er mit Eltern und Geschwistern bei seiner Großmutter in Pützerhof.

Als seine Eltern ein eigenes Haus auf der Bergstraße bezogen, begann für ihn ein neuer Lebensabschnitt. Die Nachbarschaft zur katholischen Kirche St. Georg prägte sein Leben nachhaltig. Ende der achtziger Jahre übernahm er in Seelscheid die Leitung der örtlichen Theatergemeinde, die damals pro Spielzeit zehn verschiedene Aufführungen in Bonner Theatern besuchte.

Eine berufliche Veränderung rief Hermann-Josef Weiler von Seelscheid fort und seit 1991 wohnt er in Köln. Die Leitung der Theatergemeinde und die damit verbundenen Theaterbesuche machten ihm aber so viel Spaß, daß er diese Aufgabe auch weiterhin wahrnimmt und nach wie vor Theaterbegeisterte nach Bonn begleitet.

Er kennt alle, die regelmäßig mitfahren und auch die, die sich nur gelegentlich Theaterfreuden gönnen. Dem Theaterhobby hat er ein Reisehobby angegliedert. Seinen Kunden bietet er Reisen, die stets kulturelle Schwerpunkte haben:  Natur- und Kunstreisen nach  ( u.a. ) Frankreich, Italien, Polen, Städtereisen innerhalb Deutschlands und in die angrenzenden Nachbarländer sowie Fahrten zu Festspielen und Weihnachtsmärkten. Meist sind die Reisen rasch ausgebucht und für viele Neunkirchen-Seelscheider ein Geheimtipp.

Er liebt Köln und lebt gerne dort. Seine Heimatverbundenheit führt ihn aber nach wie vor oft nach Seelscheid. Er freut sich, hier Kontakte zu haben, sich zu engagieren, Menschen zu begegnen und sich mit ihnen zu freuen.

Dagmar Genth

Dagmar Genth (Jg. 1961) ist ein „Seelscheider Mädchen“ mit weit in die Vergangenheit reichenden Wurzeln.

Als Tochter von Kurt Weesbach gehört sie zu einer Familie, die seit Jahrhunderten rechts des Wahnbachs ansässig ist. Ihre Liebe zur Heimat ist umso bemerkenswerter, da sie seit vielen Jahren ihren Lebensmittelpunkt im Ausland hat: 1989 lernte Dagmar Weesbach in Griechenland, für das sie schon während ihrer Studienjahre eine Leidenschaft entwickelt hatte, den Psychotherapeuten und Arzt Joachim Genth kennen, der in einem kleinen Dorf am südlichsten Zipfel der Halbinsel Peleponnes lebte und dort als Olivenbauer arbeitete. 1990 zog sie nach Griechenland, heiratete Genth und wurde Mutter eines Sohnes. Thimo wächst zweisprachig auf und telefoniert mehrmals wöchentlich mit seinen Großeltern in Seelscheid. Gemeinsam führen die Genths ein Unternehmen, dessen Produkte auch in Deutschland bekannt und geschätzt sind. Näheres können Sie unter www.alisseos.de lesen. Neben dem Olivenanbau, der bewusst ökologisch-nachhaltig betrieben wird, engagieren sie sich auch für den Umweltschutz und soziale Projekte in der Region. Zu ihrem Leben formuliert Dagmar Genth zutreffend: Ein echter Seelscheider macht also im Ausland entweder Urlaub ….. , oder nichts anderes als ein Seelscheider in Seelscheid !
Ihre Jugend und Kindheit in (dem damals um vieles kleineren) Seelscheid bezeichnet Dagmar Genth als naturverbunden und beschaulich. Trotz der unterschiedlichen Lebensverhältnisse in Deutschland und Griechenland bleibt es für sie wichtig, dass alle Mitglieder einer Familie zusammengehören – wo auch immer sie leben mögen.

Hans Freiherr von Proff zu Irnich

Hans Freiherr von Proff zu Irnich gehört zu unseren ersten 10 Nachstiftern.

Hans Freiherr von Proff zu Irnich (Jg. 1938), verheiratet und Vater zweier Kinder, ist Jurist und war zuletzt als Regierungsdirektor in der Bayerischen Finanzverwaltung München tätig. Baron Proff lebt in Tutzing, wo auch das 2003/04 mit Unterstützung des Heimat- und Geschichtsvereins Neunkirchen-Seelscheid geordnete Familienarchiv verwahrt wird. Die Freiherren von Proff zu Irnich besaßen zwischen 1766 und 1845 Burg Seelscheid (unterhalb des Schönenberg am Wenigerbach, 1860 abgerissen) und waren zugleich Herren des Seelscheider Hofgerichtes. Seit 1702 gehörte ihnen auch Schloß Auel im Aggertal, das sie 1763 in seiner jetzigen Form umbauen ließen. Als „Herren zu Auel“ waren sie zudem 1738 maßgeblich an der Gründung der Pfarrei Neuhonrath beteiligt. Obwohl in Bayern ansässig, zeigt Baron Proff reges Interesse an den rheinischen Wurzeln seiner Familie. So traf er sich in Seelscheid schon in den sechziger Jahren mit dem Heimatforscher Fritz Färber und war zuletzt Ende September 2008 vor Ort, um den im Foyer der Grundschule „Am Wenigerbach“ jüngst angebrachten alten Türbalken von Burg Seelscheid und die Pfarrkirche St. Georg zu besichtigen.

Dr. Friedrich Haarhaus

Dr. Friedrich Haarhaus, zwischen 1970 und 1992 evangelischer Pastor „im Dorf“, zählt zweifellos zu den bekanntesten Seelscheidern.

Geboren 1928 in Köln lernte er die Menschen und Orte an der kleinen und großen Naaf kennen und lieben, nachdem er 1945 mit seiner Familie als Ausgebombter nach Vilshoven bei Marialinden  gezogen war. Von dort aus beobachtete er, dass das Nebeneinander  von Katholischen und Evangelischen die Seelscheider aufgeschlossener gemacht hatte als die Bewohner konfessionell einseitiger Orte.

Zu persönlichen Kontakten kam es 1955/56, als der Theologiestudent Haarhaus zur Pfarrvertretung sonntags in der vakanten Pfarrei Seelscheid und in Neunkirchen Gottesdienste hielt. Die Sozialstruktur der Gemeinde war damals noch sehr bäuerlich und die Infrastruktur unzureichend. Diese Defizite wurden aber durch den guten Eindruck wettgemacht, den der junge Theologe von den Menschen mitnahm: kirchlich und sozial aktiv waren sie „geradeaus“, handfest, gastfreundlich und „kernig“. Haarhaus war nach Abschluß seiner Studien- und Vikarsjahre zehn Jahre Pastor in Köln-Riehl, als er sich 1970 um die freigewordene Pfarrstelle Seelscheid bewarb – und angenommen wurde. Seine Amtszeit war durch eine Vielzahl religiöser und sozialer Initiativen und Aktivitäten geprägt, die Seelscheid als eine aufgeschlossene Traditionsgemeinde zeigten.

Der außerordentlichste Impuls war gewiß das Aufblühen einer beispiellosen Ökumene mit der katholischen Schwestergemeinde, deren damaligen Pfarrer, Franz Steden, Haarhaus „mein bester Freund“ nennt. Wie tragfähig die Pionierarbeit dieser Jahre ist, zeigen die Fortschritte, die der Alltag in Seelscheid heute bietet. Das enge Miteinander der Konfessionen in Zivilgemeinde und Vereinen ist geblieben. Auf diesem Fundament sind neue Organisationsformen des Miteinander und Füreinander gewachsen. Die „Bürgerstiftung Seelscheid“ gehört in Haarhaus’ Augen dazu.

Inge Pfundner

Inge Pfundner wurde am 19. Juni 1908 im pommerschen Wangerin (heute: Wegorzyno, Polen) als ältestes von fünf Kindern des Kolonialwarenhändlers Otto Vogt geboren.

In den zwanziger Jahren absolvierte sie in Berlin und Potsdam eine Ausbildung zur Hauswirtschafts- und Sportlehrerin. Eingesetzt als sogenannte „Wanderlehrerin“ lernte sie in Königsberg den Österreicher Bruno Pfundner kennen, den sie 1936 heiratete und mit dem sie 1938 von Ostpreußen nach Wien zog.

Wie für die meisten Menschen ihrer Generation so stellte auch für Inge Pfundner der Zweite Weltkrieg das Leben auf den Kopf. An ihrem 34. Geburtstag fiel ihr Mann, der als Offizier an der Ostfront kämpfte, vor Leningrad. Aus Angst vor alliierten Luftangriffen zogen Inge und ihre vier Söhne (Gernot, Hagen, Peter und Jörg) 1943 von Wien nach Hößgang (Donau), wo die Familie auch das Kriegsende erlebte. Pfundners gingen 1945 nach Linz, wo sie in den ersten Jahren zu fünft auf einem Zimmer wohnen mussten. Inge, die Arbeit in einer Chemiefabrik gefunden hatte, folgte 1956 dem Rat ihrer im Ruhrgebiet lebenden Schwester Anni und kehrte mit den Kindern nach Deutschland zurück.

Mit fast 50 Jahren wurde sie 1957 an der Volksschule in Altenessen Lehrerin für Sport und Hauswirtschaft. Nach Eintritt in den Ruhestand zog sie 1972 zu ihrem Sohn Peter nach Seelscheid.

Inge Pfundner ist mit ihren 100 Lebensjahren unsere älteste Stifterin. Bis heute führt sie einen eigenen Haushalt und hält sich durch Gymnastik körperlich und die Mitarbeit im Literaturkreis geistig fit. In Seelscheid kennt sie fast jeder und sie kennt nahezu jeden. Mit raschem Schritt und wachen Augen sieht man sie durchs Dorf gehen, immer zu einem Schwätzchen bereit – wobei sie oft und gerne lobt, aber auch nicht mit Tadel hinter dem Berg hält.

Die Bürger Seelscheids freuen sich, sie unter sich zu wissen und wünschen ihr noch manch gutes Jahr im Kreise ihrer Lieben.

Frau Pfundner ist am 31.August 2011 mit 103 Jahren gestorben

Irma Schretzmair

Frau Irma Schretzmair ist Stifterin der„Bürgerstiftung Seelscheid“. Als Tochter von Otto Ingersauel und seiner aus Rambrücken stammenden Ehefrau Emilie Steinsträßer erblickte sie am 24. Juni 1922 in Naaf das Licht der Welt. Die Eltern lebten von der Landwirtschaft und dürften (das legt der vom benachbarten, gleichnamigen Ort herrührende Name nahe) zu den ältesten Familien im Naafbachtal zählen und ursprünglich in Ingersauel gewohnt haben. Die dortige Mühle gehörte seit Mitte des 17. Jahrhunderts stets zu Burg Seelscheid und kam erst Anfang des 20. Jahrhunderts in bürgerliche Hand. Irma heiratete am 8. Juli 1949 den drei Jahre älteren Arzt Herbert Schretzmair aus Wahlscheid, den sie im dortigen Konfirmandenunterricht kennengelernt hatte. Die Dörfer an der Naaf sind übrigens bis heute „religionspolitisches Grenzgebiet“: die evangelischen Christen zählen zu Wahlscheid, die Katholiken zu Seelscheid. Schretzmairs wurden ein Sohn und eine Tochter geboren. Irmas Mann, der in Rösrath praktizierte, starb bereits 1980. Irma Schretzmair lebt noch heute dort, im Haus der ehemaligen Landarztpraxis, und führt unverändert einen eigenen Haushalt.

Paul Henry Wiechman

Paul Henry Wiechman (Jg. 1936) aus McKinney in Texas (USA) fällt unter den Mitgliedern der „Bürgerstiftung Seelscheid“ schon deshalb ins Auge, weil er ihr (bisher) einziger „Ausländer“ ist. Warum wird ein Texaner Stifter in und für Seelscheid? Die Gründe liegen im 19. Jahrhundert und berühren die Familiengeschichte von Wiechmans Frau Judith, geborene Bestgen. Ihr Ur-Urgroßvater, Bertram Sommerhäuser (1833 – 1899) aus Stein, wanderte 1852 mit seinen Eltern und Geschwistern nach Missouri aus. Die Mutter starb auf der wochenlangen Überfahrt, aber der Familie gelang es rasch, in der Neuen Welt Fuß zu fassen. Besagte Sommerhäusers lassen sich bis in die Mitte des 17. Jahrhunderts nach Leyenhof verfolgen, von wo sie über Driesch nach Stein gezogen waren. Der von Freunden ‚Hank’ gerufene Wiechman besuchte mit seinem Schwager, dem bei Philadelphia lebenden Eugene J. Bestgen, 2003 Seelscheid und fühlt sich unserer Heimat durch die gemachten persönlichen Eindrücke und Begegnungen besonders verbunden. Wiechman, der zwei Kinder und vier Enkel hat, hatte schon während seiner Wehrdienstzeit (1955/56) 18 Monate in Deutschland gelebt. Nach einem Studium an der Universität Wichita war er für den Versicherungskonzern „Federal Deposit Insurance Corp.“ zuletzt als Regionaldirektor für die sechs „Neu-England-Staaten“ der USA in Boston tätig.